Im Juli will Kaspersky Labs weltweit seine neue Security Suite herausbringen. Dann starten zeitgleich Kaspersky Internet Security 2010 und Kaspersky Anti-Virus 2010 in den Markt. In dieser Preview nehmen wir die Beta mit der Version 9.0.0.449 etwas genauer unter die Lupe. In der Regel ändern sich im Vergleich zur späteren öffentlichen Version nur noch marginale Details, die insbesondere die Stabilität der Software positiv beeinflussen. An Funktionen und Oberfläche sind normalerweise keine Änderungen mehr zu erwarten. Dabei bezieht sich unser Test auf die Internet Security Version mit vollem Funktionsumfang. Nur wer seinen Computer über verschiedene Programme absichern möchte, sollte von der abgespeckten Anti-Virus Version Gebrauch machen, da diese unter anderem keine Firewall mit sich bringt. Dieser Testbericht geht nicht auf Erkennungsraten ein, da eine Änderung der Engine noch möglich ist und eine zuverlässige Umgebung für die Erkennung von Schadsoftware durch uns nicht hergestellt werden kann. Dies überlassen wir den einschlägig bekannten Magazinen, die wir bei Verfügbarkeit entsprechender Berichte verlinken werden.
Allgemeines
Kaspersky mischt seit 1997 im internationalen Sicherheitsmarkt mit und konnte seitdem eine beeindruckende Marktrelevanz schaffen. Nach wie vor kann Kaspersky für sich beanspruchen, im Vergleich zu seinen Konkurrenten mit am schnellsten auf neue Bedrohungen zu reagieren und durch entsprechende Signaturupdates seine Anwender davor zu schützen. Dies ist sowohl im geschäftlichen, als auch dem privaten Gebrauch ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Für den Privatmarkt verfolgt Kaspersky drei Produktlinien:
Kaspersky Anti-Virus, als reiner Schutz vor Viren, Malware und Spyware für lokale Datenträger, Email, Webbrowser und Chatprogramme.
Kaspersky Internet-Security bringt darüber hinaus noch die Funktionen einer eigenständigen Firewall, einen Spamfilter, sowie erweiterte Funktionen gegen Identitätsdiebstahl und Abhören sensibler Daten mit sich.
Kaspersky Mobile Security richtet sich an die Besitzer aktueller Smartphones, die durch die ständig wachsende Nutzung von Internet und Email auf mobilen Endgeräten immer mehr zum Ziel für neue Formen von Angriffen werden. Neben dem obligatorischen Viren- und Spam-Schutz bietet die Software auch Möglichkeiten zum Löschen oder Sperren des Telefons im Falle eines Verlustes. Neu ist auch die Möglichkeit der Lokalisierung per GPS
Installation
Der Download umfasst ca. 58MB was für jeden aktuellen DSL Anschluss in wenigen Minuten zu bewältigen ist. Für eine vollständige Installation werden in etwa 72MB auf der Festplatte benötiogt. Zusätzlich ist Speicher für zukünftige Software- und Signaturupdates zu berücksichtigen, aber wer 100MB kalkuliert ist gut bedient und dieses Volumen läuft bei jeder Festplatte heute unter “ferner liefen”. Der Installationsassistent lässt sich auch für unerfahrene Benutzer gut bedienen und gibt sinnvolle Einstellungen vor, die nur noch mit “weiter” bestätigt werden müssen. Wer gerne mehr Kontrolle haben möchte, dem sind zahlreiche Möglichkeiten zur Einflussnahme gegeben. Dazu sollte gleich im ersten Dialog der Modus zur “Benutzerdefinierten Installation” aktiviert werden.

Nach dem Akzeptieren der “Allgemeinen Nutzungsbedingungen” kommt man erstmalig mit einem zusätzlichen Dialog in Kontakt, der die Teilnahme am “Kaspersky Security Network” empfiehlt. Diese Funktion wurde von Kaspersky implementiert um von infizierten Systemen automatisierte Rückmeldungen über die Bedrohungen zu bekommen. Besonders datenschutzorientierten Benutzern wird dieser Dialog ein Dorn im Auge sein, da hier vollautomatisch und im Hintergrund Daten an Kaspersky über tragen werden, auf die der Anwender keinen Einfluss mehr hat. Die andere Seite der Medaille ist, dass durch eine solche Funktion auf neue Bedrohungen schneller reagiert werden kann. Ein umfassendes Netzwerk von Anwender-Computern kann dem Hersteller von Sicherheitslösungen wichtige Informationen liefern um auf neue Schadprogramme und Mutationen zu reagieren. Hier bleibt es definitiv dem Benutzer überlassen, welches Vertrauen über die gesendeten Daten er Kaspersky gewährt. Die Aktivierung der Einstellung ist in jedem Fall optional und für den voll funktionsfähigen Betrieb der Software nicht zwingend notwendig.

Kaspersky hat auch ein Menü intergiert, um Einstellung später noch bearbeiten zu können. Wer diese Berichtsfunktion im Nachhinein aktivieren oder deaktivieren möchte, kann dies unter Einstellungen -> Feedback erledigen.
Im weiteren Verlauf der Installation wird -wie auch bei den Vorversionen – die Installation der Kaspersky eigenen Firewall angeboten. Diese bringt weitaus mehr Möglichkeiten mit sich, als die bisher von Windows verwendete. Außerdem nimmt sie unerfahrenen Benutzern viele Fragen ab. Eine Whitelist mit bekannten, nicht schadhaften Programmen wird bei Installation und Betrieb erkannt und durch automatische Regeln freigeschaltet. Dies verhindert unnötige Nachfragen bei den Benutzern, die im schlimmsten Fall aufgrund von Unwissenheit zu verheerenden Entscheidungen führen könnten.

Noch während der Installation kann es dazu kommen, dass das Windows Sicherheitscenter etwas nervös wird und durch das gelbe oder rote Schutzschild Warnmeldungen in der Taskleiste anzeigt. Davon sollte man sich nicht zu sehr irritieren lassen, denn durch den Austausch der Firewall und mangelnde Aktualität der Virensignaturen fühlt Windows sich bei der Inbetriebnahme von Kaspersky etwas vernachlässigt. Nach einem Neustart und einer damit verbundenen automatischen Aktualisierung der Signaturen, beruhigt sich auch das Windows Sicherheitscenter wieder. Wer die Testversion von Kaspersky 2010 einsetzt, wird bis zur Einspielung eines gültigen Lizenzschlüssels warnend darüber in Kenntnis gesetzt.

Der Betrieb und die Oberfläche
Die Zeit ist gekommen einen ersten Blick auf die neue Oberfläche zu werfen. Obwohl ein Benutzer nie in die Verlegenheit kommen sollte, seine Sicherheitssoftware aufrufen zu müssen, hat Kaspersky ein übersichtliches, verständliches Benutzer-Interface geschaffen. Dies konnte im Vergleich zur Vorversion noch mal spürbar verbessert werden. Die Warnfarben grün, gelb und rot zur Anzeige des aktuellen Sicherheitsstatus sind geblieben. Das Menü zur linken wurde überarbeitet und neu strukturiert.

Insbesondere aber das Einstellungsmenü wurde verbessert. Alle wichtigen Bereiche und Einstellungen sind jetzt mit einem Klick erreichbar und übersichtlich geordnet. Nur wer besondere Anforderungen an die Konfiguration hat, muss noch in die Detaileinstellungen der einzelnen Bereiche eintauchen. Die neuen kleinen Icons wirken aufgeräumt und verständlich. Dies ist mit Sicherheit eines der entscheidenden Vorteile des Herstellers. Die Konkurrenten können in diesem Bereich nicht derart glänzen.

Unterhalb des Schutzcenters bauen sich alle Bestandteile der Kaspersky Internet Security 2010 Suite logisch verknüpft auf. Die Sicherheitsbereiche sind in drei grobe Kategorien unterteilt, die mehrere Komponenten enthalten. Da die Bestandteile der Suite nicht immer sauber nur einem Bereich zugeordnet werden können, wird durch ein dynamisches Rohrsystem dem Benutzer angezeigt, welche Komponenten zur aktuell ausgewählten Bereich gehören. Nicht installierte Komponenten werden durch einen grauen Button am rechten Rand markiert. Die logischen Verknüpfungen von Bereichen und Komponenten lassen sich auf den folgenden Screenshots erkennen.



Highlights der neuen Version
Neben optischen Verbesserungen hat Kaspersky auch eine Reihe neuer Funktionen in die Version 2010 integriert. Dazu gehören:
SaveRun-Modus
Wenn Sie eine neue Software einsetzen wollen, der Sie noch nicht vertrauen, haben Sie die Möglichkeit diese in einem abgesicherten Bereich auszuführen. Kaspersky schließt die Software dazu in einem geschlossenen System ein und erlaubt nur sichere Operationen der Software. Dazu wird die Software im Bereich der Programmkontrolle hinzugefügt. Startet man das Programm anschließend, wird man einen gelb leuchtenden Rahmen um das Fenster herum feststellen, der signalisiert, dass die Software in einem geschützten Modus ausgeführt wird.


Spiele-Modus
Auch die Hersteller von Sicherheitssoftware nehmen im Bereich der Privatkunden immer mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Spielergemeinde. Insbesondere Spiele mit hohen Anforderungen an Leistungen können mitten im Spiel durch Aktionen der Sicherheitssoftware immer wieder ausgebremst werden. Dazu zählen Updates der Virensignaturen oder geplante Untersuchungen des Dateisystems. Durch den neuen Spiele-Modus hat Kaspersky eine Funktion implementiert, die die Aktivitäten der Sicherheits-Suite auf ein Minimum reduziert, sobald ein Spiel gestartet wird. Dadurch werden gewisse Aktionen zurückgestellt, bis das Spiel beendet wurde.
Markierung unsicherer Webseiten
Eine weitere neue Funktion ist das Markieren unsicherer Webseiten. Dies soll schon im Vorfeld verhindern, dass Benutzer Webseiten aufrufen, die mit Schadcode infiziert wurden. Ähnliche Schutzmaßnahmen hat auch Google bereits ergriffen, jedoch ist der Hinweis relativ unauffällig.
Notfall CD
Die Erstellung einer Notfall CD durch Kaspersky ist nichts neues, sehr wohl aber, dass diese jetzt auf Linux basiert und keine Windows PE Umgebung mehr benötigt. Allgemein waren die Vorversionen der Notfall CD oft nur mit erhöhtem Aufwand herzustellen und dann im Betrieb auch noch fehlerbehaftet. Ab dieser Version hat Kaspersky die Basis der Notfall CD von Windows auf Linux geändert. Nicht Linux-erfahrene Benutzer brauchen jetzt aber nicht zusammenzucken. Nach dem Booten eröffnet sich dem Anwender nur eine leicht verständliche und überschaubare Kaspersky-Oberfläche um bereits infizierte Systeme ohne das betroffene Betriebssystem zu starten und so zu desinfizieren.
Fazit
Kaspersky hat viele Detailverbesserungen an der Oberfläche vorgenommen, die dem Anwender auch zugutekommen. Daneben sind auch ein paar neue sinnvolle Features in die neue Version gerutscht. Wie gut sich die neue Version in Sachen Erkennungsraten schlägt, bleibt abzuwarten. Außerdem wird es immer dabei bleiben: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Wie anfällig ein Computer gegen Angriffe ist, ist auch immer abhängig davon, wie erfahren und umsichtig sein Anwender ist. Sicherheitsprogramme können zwar Ihren Teil dazu beitragen, die Systeme besser zu schützen, aber der Anwender selbst muss auch wissen, was er tut.